2’597 gesperrte Domains: Wie Gespa und ESBK ausländische Wettanbieter aus der Schweiz aussperren

Eine Liste, die sich monatlich verlängert
Mein erster Versuch, von einem Zürcher Café aus auf bet365 zuzugreifen, endete vor drei Jahren mit einer schlichten Stopp-Seite — keine Erklärung, keine Umleitung, einfach eine Mitteilung der ESBK. Heute ist diese Erfahrung Routine für jeden Schweizer, der versucht, ausländische Wettanbieter zu nutzen. Ende August 2025 standen 2’597 Domains auf der kombinierten Sperrliste — von bet365 bis Pinnacle. Wer von der Schweiz darauf zugreift, sieht eine Stopp-Seite.
Diese Liste ist nicht statisch. Sie wächst monatlich, weil ausländische Anbieter neue Domains aufsetzen und Gespa und ESBK kontinuierlich nachverfolgen. Wer das System verstehen will, muss verstehen, wie Sperren technisch funktionieren, welche Anbieter betroffen sind und was das für Schweizer Konsumenten praktisch bedeutet.
Im Vergleich zu anderen europäischen Marktregulierungen ist das Schweizer System ungewöhnlich strikt. Deutschland hat seine eigene Lizenzstruktur mit lokalen Lizenzen für ausländische Anbieter geschaffen, Österreich hat ein Monopol-Modell, das aber durchlässiger ist als das schweizerische. Die Schweiz hat sich für die strikteste Form entschieden: kein offizieller Zugang für ausländische Wettanbieter, mit aktiver technischer Durchsetzung. Diese Position ist mit einer Volksabstimmung demokratisch legitimiert und hat sich über die letzten Jahre in der Praxis bewährt.
Wie die Sperre technisch funktioniert
Die Schweizer Netzsperre arbeitet primär über DNS-Blocks bei den schweizerischen Internet-Service-Providern. Jeder Schweizer ISP — Swisscom, Sunrise, Salt, kleinere Anbieter — ist gesetzlich verpflichtet, die DNS-Auflösung für gesperrte Domains zu unterdrücken. Wer die URL eingibt, bekommt keine Verbindung zur tatsächlichen Server-Adresse, sondern eine Weiterleitung auf eine Stopp-Seite mit Hinweis auf das Geldspielgesetz.
DNS-Block ist die schwächste Form der Netzsperre. Sie greift nur, wenn der Nutzer die Standard-DNS-Server seines ISP verwendet. Wer manuell auf alternative DNS-Server wie Google-DNS oder Cloudflare-DNS umstellt, umgeht die Schweizer Sperre teilweise. Das ist technisch möglich, aber rechtlich grauzonig — die Umgehung selbst ist nicht strafbar, aber das anschliessende Wetten bei nicht-konzessionierten Anbietern hat steuerliche und rechtliche Konsequenzen.
VPN-Nutzung ist die gängigste Umgehungsmethode. Ein VPN-Server in Deutschland oder Österreich routet den Schweizer Traffic über ausländische Infrastruktur, womit die Schweizer Netzsperre umgangen wird. Die rechtliche Lage ist nuanciert: VPN-Nutzung an sich ist legal, das Wetten bei einem in der Schweiz nicht-konzessionierten Anbieter aber nicht. Spieler werden nicht strafrechtlich verfolgt, aber gewonnene Gelder unterliegen voller Einkommenssteuer und können bei grösseren Beträgen auch zivilrechtlich problematisch werden — die Anbieter können sich in der Schweiz nicht legal auf Vertragsrechte berufen.
Eine zweite Schicht der Sperrung sind Zahlungsblockaden. Schweizer Banken und Kreditkartenanbieter sind teilweise angewiesen, Transaktionen an bekannte ausländische Wettanbieter zu blockieren. Diese Massnahme ist weniger sichtbar als die DNS-Sperre, wirkt aber komplementär — wer das technische Hindernis umgeht, stösst möglicherweise auf das finanzielle Hindernis. In der Praxis funktioniert die Zahlungsblockade weniger zuverlässig als die DNS-Sperre, weil Anbieter ihre Zahlungswege rotieren können. Aber sie ist eine zusätzliche Reibung, die den Aufwand der Umgehung erhöht.
Welche Anbieter betroffen sind
Die Sperrliste umfasst praktisch alle international bekannten Buchmacher, die nicht in der Schweiz konzessioniert sind. Klassische Sportwetten-Anbieter wie bet365, bwin, Tipico, Interwetten, Unibet, William Hill, Betsson und viele weitere stehen auf der Liste. Sportbörsen wie Betfair und Smarkets sind ebenfalls gesperrt. Spezialisierte Anbieter mit Krypto-Zahlungen und sogenannte «Offshore»-Buchmacher kommen kontinuierlich hinzu.
Ende 2024 standen 490 Domains illegaler ausländischer Geldspielanbieter auf der Gespa-Sperrliste; im August 2025 erreichte die kombinierte Sperrliste von Gespa und ESBK 2’597 Domains. Das Wachstum von 490 auf 2’597 in weniger als einem Jahr zeigt die Dynamik — Anbieter setzen neue Domains auf, die Behörden sperren nach. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel mit klaren Spielregeln.
Die Liste ist öffentlich zugänglich. Gespa publiziert die Sperrliste regelmässig auf ihrer offiziellen Webseite, ESBK ebenfalls. Wer überprüfen will, ob ein konkreter Anbieter aktuell gesperrt ist, kann das in wenigen Sekunden tun. 2024 wurden 12 Strafanzeigen wegen Verstössen gegen das Geldspielgesetz von der Gespa erstattet und vier Sperrlisten illegaler ausländischer Geldspielanbieter publiziert — die Aufsichtsarbeit ist aktiv und gut dokumentiert.
Wichtig zu verstehen: gesperrt zu sein heisst nicht, dass der Anbieter weltweit illegal operiert. bet365, bwin und ähnliche Anbieter sind in vielen anderen Ländern vollständig legal lizenziert. Die Sperre ist eine schweizspezifische regulatorische Massnahme, die das nationale Monopol von Sporttip und Jouez Sport schützt.
Diese Konstruktion ist europaweit umstritten. Mehrere EU-Länder haben in den letzten zehn Jahren ähnliche Monopol-Modelle versucht — Schweden, Norwegen, Frankreich teilweise — und sie alle wurden vom Europäischen Gerichtshof oder nationalen Gerichten gelegentlich infrage gestellt. Die Schweiz ist als Nicht-EU-Land in einer anderen Position und kann ihr Monopol regulatorisch stabiler verteidigen. Die Volksabstimmung 2018 zum Geldspielgesetz wurde mit 72,9 Prozent Ja-Stimmen klar bestätigt, was dem System eine demokratische Legitimität gibt, die wenige andere Länder vorweisen können.
Was bei einem Zugriffsversuch praktisch passiert
Aus Konsumenten-Sicht ist die Situation klar. Wer ohne VPN auf bet365 zugreift, sieht eine Stopp-Seite und kann nicht wetten — der Zugriff scheitert technisch. Wer über VPN auf bet365 zugreift, kann sich anmelden und wetten, riskiert aber mehrere Probleme.
Erstens: kein Strafverfahren gegen den Spieler. Das schweizerische Geldspielgesetz richtet sich gegen die Anbieter, nicht gegen die Konsumenten. Ein Spieler, der über VPN auf bet365 wettet, wird nicht strafrechtlich verfolgt. Zweitens: aber Wettverlust-Risiko. Wenn der ausländische Anbieter eine Auszahlung verweigert oder das Konto sperrt, hat der Schweizer Spieler kaum Rechtsschutz — der Anbieter ist in der Schweiz nicht reguliert, und Schweizer Gerichte können kaum durchsetzen, was sie eigentlich nicht hätten erlauben dürfen.
Drittens: steuerliche Konsequenzen. Gewinne aus nicht-konzessionierten Anbietern sind in vollem Umfang einkommensteuerpflichtig, ohne den Freibetrag von einer Million CHF, der für Sporttip- und Jouez-Sport-Gewinne gilt. Wer einen 50’000-CHF-Gewinn bei bet365 abräumt, zahlt potenziell 20’000 bis 25’000 CHF Steuern, je nach Wohnkanton — gegenüber null Steuern bei einem identischen Gewinn aus einem konzessionierten Schweizer Anbieter. Die Comlot-zu-Gespa-Umbenennung von 2021 hat die heutige Aufsichtsstruktur geschaffen, in deren Rahmen die Sperrliste betrieben wird.
Viertens: kein Spielerschutz-Zugriff. Schweizer Sperrregister und Selbstsperren wirken nicht bei ausländischen Anbietern. Wer in der Schweiz gesperrt ist und über VPN auf bet365 wettet, umgeht damit gleichzeitig die Schutzmechanismen, die für das eigene Verhalten gedacht waren. Das ist die ernsteste Konsequenz für problembehaftete Spieler — die Sperrliste ist nicht nur Marktschutz für Sporttip, sie ist auch ein Schutzwerkzeug für gesperrte Spieler, das durch VPN-Nutzung ausgehebelt wird.
Aus meiner Praxis: der ehrliche Rat an alle Schweizer Tipper ist, bei Sporttip und Jouez Sport zu bleiben. Die Auszahlungsquoten der beiden Schweizer Anbieter sind branchenüblich, die Marktiefe reicht für die meisten NRL- und Super-League-Wett-Strategien, und der regulatorische Schutz hat einen messbaren Wert. Wer wegen einer marginal besseren Quote die Sperrliste umgeht, riskiert deutlich mehr als er gewinnt.
Werde ich bestraft, wenn ich VPN nutze, um auf bet365 zuzugreifen?
Nein, das schweizerische Geldspielgesetz richtet sich gegen die Anbieter, nicht gegen die Konsumenten. Sie werden nicht strafrechtlich verfolgt, wenn Sie über VPN auf gesperrte Anbieter zugreifen. Sie riskieren aber Wettverlust durch fehlenden Rechtsschutz und volle Einkommensbesteuerung der Gewinne ohne Freibetrag — beides macht die VPN-Variante wirtschaftlich oft unattraktiv.
Wo finde ich die aktuelle Gespa-Sperrliste?
Die aktuelle Sperrliste wird auf der offiziellen Gespa-Webseite publiziert, ergänzt durch die ESBK-Liste für Casinos. Beide Listen werden mehrmals jährlich aktualisiert. Wer überprüfen will, ob ein konkreter Anbieter gesperrt ist, kann das mit einer einfachen Recherche herausfinden — die Domain-Namen sind explizit aufgeführt.
Verfasst vom Team von „Rugby League Wettanbieter Schweiz”.
