Aus Comlot wurde Gespa: Warum 2021 ein neuer Name kam und was das für Wettquellen bedeutet

Wenn alte Ratgeber falsche Namen tragen
Ich lese regelmässig Online-Wett-Ratgeber für die Schweiz, und ich bin überrascht, wie oft «Comlot» noch auftaucht — sowohl in deutschen Vergleichsportalen als auch in älteren Schweizer Quellen. Der Name ist seit 2021 falsch. Die Behörde heisst heute Gespa. Wer einen Ratgeber liest, der von «Comlot» als aktueller Aufsicht spricht, liest einen Ratgeber, der seit mindestens fünf Jahren nicht mehr aktualisiert wurde — und die Wahrscheinlichkeit, dass andere Informationen ebenfalls veraltet sind, ist hoch.
Wer das Schweizer Wettsystem verstehen will, muss die historische Entwicklung der Aufsichtsbehörden kennen. Comlot war nicht einfach ein anderer Name — sie hatte eine andere rechtliche Stellung, andere Befugnisse und ein anderes Selbstverständnis als die heutige Gespa. Die Umbenennung von 2021 war ein klarer Bruch, nicht nur eine kosmetische Korrektur.
Comlot von 1937 bis 2020
Die Comlot — Commission des Loteries et Paris, also Lotterien- und Wett-Kommission — hatte ihren Ursprung in den späten 1930er-Jahren, als das schweizerische Lotteriegesetz von 1923 institutionalisiert wurde. Sie war die interkantonale Aufsicht über die kantonalen Lotteriegesellschaften, primär als koordinierende Behörde zwischen den Kantonen und den damaligen Vorgängerorganisationen von Swisslos und Loterie Romande.
Ihre Befugnisse waren begrenzt. Comlot hatte regulatorische Zuständigkeit für Lotterien und einfache Sportwetten, aber kein klares Mandat für moderne Online-Wett-Aktivitäten. Mit dem Aufkommen des Internets in den 2000ern wurde diese Lücke immer sichtbarer — ausländische Anbieter wie bet365 expandierten in den Schweizer Markt, ohne dass Comlot wirksame Werkzeuge zur Durchsetzung hatte.
Die juristische Position der Comlot war zudem eigentümlich: sie war eine interkantonale Behörde mit kantonaler Träger-Struktur, ohne direkten Anschluss an den Bund. Das gab ihr Flexibilität, schränkte aber gleichzeitig ihre Handlungsmöglichkeiten ein. Bundes-Entscheide konnten ihr nicht direkt aufoktroyiert werden, und sie konnte ihrerseits keine Bundes-Befugnisse beanspruchen. Diese föderalistische Eigenart prägt das gesamte schweizerische Glücksspielsystem bis heute, mit historischen Wurzeln, die fast hundert Jahre zurückreichen.
Die Aufgabenfelder der Comlot vor dem Geldspielgesetz 2019 umfassten primär Lizenzvergabe an kantonale Lotteriegesellschaften, Prüfung von Spielregeln und Auszahlungsmechanismen sowie Aufsicht über die Verteilung von Reingewinnen an gemeinnützige Zwecke. Was ihr fehlte: explizite Befugnisse zur Netzsperrung ausländischer Anbieter, klare Sanktionsmechanismen bei Gesetzesverstössen, moderne Online-Spielerschutz-Werkzeuge. Diese Lücken waren der primäre Treiber für die spätere Modernisierung.
Strukturell war Comlot eine schlanke Organisation mit relativ wenig Personal — Schätzungen sprechen von zehn bis fünfzehn Vollzeit-Mitarbeitenden in den späten 2010er-Jahren. Diese personelle Knappheit war nicht zwingend ein Mangel — die Aufgaben der Comlot waren überschaubar und gut definiert — wurde aber zum Problem, als die digitale Sportwetten-Welt explodierte und neue Aufsichtsherausforderungen entstanden. Eine Behörde, die ursprünglich für Papier-Lotterielose und kantonale Tombolas konzipiert war, kam mit Online-Live-Wetten und VPN-Umgehungen an ihre strukturellen Grenzen.
Die Umbenennung 2021 — mehr als ein neuer Name
Das Geldspielgesetz, das 2019 in Kraft trat, schuf die Grundlage für eine neue Aufsichtsstruktur. Die alte Comlot wurde abgelöst durch die Gespa — Interkantonale Geldspielaufsicht. Die Namensänderung wurde 2021 vollzogen, mit gleichzeitiger Erweiterung der Befugnisse und Restrukturierung der Behörde.
Der Gespa-Auswertungsbericht 2024 formuliert die Selbsteinschätzung der Behörde direkt: «Sportwetten tragen zu der durch das Geldspiel verursachten Problemlast bei. Das Gefahrenpotenzial ist höher als bei den anderen Produktkategorien im Aufsichtsperimeter der Gespa.» Diese explizite Risikoeinschätzung wäre unter der alten Comlot kaum so offen formuliert worden — sie reflektiert das moderne regulatorische Selbstverständnis der Gespa, das sich stärker am Verbraucher- und Spielerschutz orientiert als am reinen Markt-Management.
Die Abgrenzung zur ESBK ist ein zentraler Aspekt der neuen Struktur. Während Gespa für Grossspiele zuständig ist — also Lotterien und Sportwetten —, ist die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK für Casinos und Spielautomaten zuständig. Diese klare Trennung gab es unter Comlot nicht in derselben Form, weil das alte Lotteriegesetz die heutige Differenzierung zwischen Online-Casino-Spielen und Sportwetten gar nicht vorsah.
Praktisch heisst das: wenn Sie heute Informationen über schweizerische Sportwetten-Regulierung suchen, müssen Sie nach «Gespa» suchen, nicht nach «Comlot». Suchmaschinen-Ergebnisse mit «Comlot» sind tendenziell älter und teilweise rechtlich überholt — die Befugnisse haben sich verändert, einige Verfahren funktionieren anders, die Aufsichts-Schwerpunkte haben sich verschoben.
Ein zweiter wichtiger Wandel: die Internationalisierung der Aufsichtsarbeit. Die Gespa kooperiert heute mit anderen europäischen Glücksspiel-Aufsichten in einem Umfang, der unter Comlot kaum existierte. Informationen über betrügerische Anbieter, Geldwäsche-Verdachtsfälle und grenzüberschreitende Sperrlisten werden regelmässig zwischen schweizerischen, deutschen, österreichischen und französischen Behörden ausgetauscht. Diese Kooperation macht die Schweizer Aufsicht effektiver, auch wenn sie nicht öffentlich kommuniziert wird.
Für Schweizer Tipper bedeutet die neue Struktur konkrete Vorteile: schnellere Reaktion bei Beschwerden gegen konzessionierte Anbieter, klarere Spielerschutz-Standards, transparentere Aufsichtsdokumentation. Wer ein Problem mit Sporttip oder Jouez Sport hat — etwa bei einer strittigen Auszahlung —, kann sich heute an die Gespa wenden und bekommt typischerweise innerhalb von drei bis sechs Wochen eine substanzielle Antwort. Unter Comlot waren solche Verfahren oft langwieriger und weniger transparent.
Was die Gespa heute macht — Aufgabenfeld 2024
Die Aufgaben der modernen Gespa lassen sich grob in vier Bereiche teilen. Erstens: Lizenzvergabe und Lizenz-Aufsicht für die zwei konzessionierten Anbieter Swisslos und Loterie Romande. Diese Aufsicht umfasst Online- und Offline-Angebote und beinhaltet regelmässige Audits der Quotenkalibrierung und Spielerschutz-Mechanismen.
Zweitens: Sperrlisten-Pflege für illegale ausländische Anbieter. Ende 2024 standen 490 Domains illegaler ausländischer Geldspielanbieter auf der Gespa-Sperrliste; im August 2025 erreichte die kombinierte Sperrliste von Gespa und ESBK 2’597 Domains. Diese Liste wird kontinuierlich aktualisiert und an die schweizerischen ISPs zur DNS-Sperrung weitergeleitet.
Drittens: Strafanzeigen und Sanktionsverfahren bei Gesetzesverstössen. 2024 wurden 12 Strafanzeigen wegen Verstössen gegen das Geldspielgesetz von der Gespa erstattet und vier Sperrlisten illegaler ausländischer Geldspielanbieter publiziert. Diese Strafanzeigen richten sich primär gegen ausländische Anbieter, die trotz Sperre aktiv den Schweizer Markt bewerben — sie sind ein wichtiges Sanktionswerkzeug, auch wenn die internationale Durchsetzung oft schwierig bleibt.
Viertens: Aufsichtsberichte und Forschung. Die Gespa publiziert jährliche Tätigkeitsberichte, die statistische Auswertungen zu Spielverhalten, Risikoprofilen und Markttrends enthalten. Diese Berichte sind die wichtigste öffentliche Datenquelle zum Schweizer Sportwettenmarkt — wer ernsthaft Marktanalyse betreiben will, beginnt hier. Die Struktur des Schweizer Lotteriemonopols mit Swisslos und Loterie Romande ist der direkte Aufsichtsgegenstand der Gespa und der zweite Eckpfeiler, den man kennen muss.
Eine fünfte, weniger sichtbare Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit Geldwäsche-Verdachtsfällen. Sportwetten sind regulatorisch als Geldwäsche-Risikoaktivität eingestuft, weil grosse Bar-Bewegungen und schnelle Konto-Wechsel theoretisch zur Verschleierung illegaler Gelder genutzt werden können. Die Gespa kooperiert mit der Meldestelle für Geldwäscherei und prüft verdächtige Muster bei Sporttip und Jouez Sport. In der Praxis betrifft das vor allem ungewöhnlich grosse Einzahlungs- und Auszahlungs-Muster, die mit dem typischen Wett-Verhalten nicht zusammenpassen.
Hat die Gespa mehr Befugnisse als die alte Comlot?
Ja, deutlich mehr. Die Gespa hat explizite Mandate für Online-Spielerschutz, Netzsperren gegen ausländische Anbieter und moderne Sanktionsmechanismen. Diese Befugnisse fehlten der Comlot weitgehend. Die Umbenennung 2021 war Teil einer umfassenden Modernisierung, nicht nur ein Namenswechsel.
Wer kontrolliert die Gespa?
Die Gespa wird von einem Aufsichtsrat aus Vertretern der schweizerischen Kantone geleitet, da sie als interkantonale Behörde organisiert ist. Die parlamentarische Kontrolle erfolgt über die kantonalen Konkordatsorgane. Die Bundesebene hat über das Bundesamt für Justiz koordinierende, aber keine direkten weisungsbefugten Kompetenzen.
Geschrieben von der Redaktion „Rugby League Wettanbieter Schweiz”.
