IMG Grading: Wie die Super League 2026 ihre Aufsteiger nicht mehr über das Spielfeld bestimmt

Aufstieg ohne Schlusspfiff
Stellen Sie sich vor, der FC Basel würde in die Super League aufsteigen, weil ein Beratungsunternehmen seinen Stadionbau und seine Social-Media-Reichweite besser bewertet als die Sportergebnisse der Challenge League. So funktioniert die Super League ab 2026: Bradford, Toulouse und York steigen auf — nicht weil sie spielerisch dominierten, sondern weil das IMG-Grading sie auf Platz 12 bis 14 setzte. Die Super League erweitert sich auf 14 Teams; alle drei Aufsteiger erhielten ihren Platz via IMG-Grading-System, nicht durch sportliche Qualifikation.
Das ist eine fundamentale Verschiebung. Über fast dreissig Jahre hatte die Super League eine Form von Auf- und Abstieg, mal direkter, mal indirekter — aber immer mit sportlichem Element. IMG-Grading ersetzt das durch ein Bewertungssystem, das kommerzielle Kriterien in den Vordergrund stellt. Für Wettmärkte ist das ein Game-Changer: drei kommerziell starke, sportlich unklare Klubs treten in eine Liga ein, deren historische Quotenkalibrierungen auf Spielform basieren. Underdog-Quoten werden in den ersten Saison-Wochen 2026 oft systematisch falsch sein — bis der Markt die neue Realität verarbeitet.
Die Grading-Kriterien im Detail
IMG bewertet Klubs in mehreren Kategorien. Performance — also Spielform und Tabellenposition — ist eine davon, aber nur eine von vielen. Andere Kategorien umfassen Stadion-Qualität (Kapazität, moderne Infrastruktur, Aufzeichnungsqualität für TV), Fan-Engagement (Mitgliedszahlen, Social-Media-Reichweite, durchschnittliche Anwesenheit), kommerzielle Attraktivität (Sponsoring-Volumen, regionale Wirtschaftskraft, internationale Brand-Strahlkraft), und Klub-Finanzen (Bilanzqualität, Salary-Cap-Compliance, Wachstumsperspektive).
Jede Kategorie wird gewichtet und zu einem Gesamt-Score aggregiert. Die Klubs werden dann in drei Tiers eingeteilt: Tier A für die Top-Klubs mit dauerhafter Super-League-Lizenz, Tier B für Mittelfeld-Klubs mit jährlicher Re-Evaluierung, Tier C für Klubs, die in der Championship spielen, aber das Potenzial für die Super League haben. Bradford, Toulouse und York landeten als Tier-B-Aufsteiger im ersten Anwendungsjahr — sie hatten die kombinierten Scores für Stadion, Fan-Engagement und kommerzielle Attraktivität, die sie über sportlich besser platzierte Championship-Klubs hoben.
Das System ist nicht ohne sportliche Komponente, aber die Gewichtung ist umstritten. Performance trägt rund 25 bis 30 Prozent zum Gesamt-Score bei — der Rest verteilt sich auf nicht-sportliche Kriterien. Das bedeutet konkret: eine Mannschaft, die in der Championship Tabellenführer ist, aber in einem 4’000-Plätze-Stadion mit alter Infrastruktur spielt, kann trotz sportlichem Erfolg keinen Aufstieg sichern.
Ein zentrales Element ist auch die geografische Diversität. IMG bevorzugt Klubs, die neue Märkte erschliessen — was ein Vorteil für Toulouse Olympique war, der einzigen kontinentalen Mannschaft in der Super League neben den Catalans Dragons. York Knights profitierte von der demografischen Stärke seiner Region, während Bradford von seiner historischen Marke und der modernen Stadion-Infrastruktur des Odsal Stadium beziehungsweise des aktuellen Stadion-Plans punkten konnte.
Die Bewertung erfolgt jährlich, was eine wichtige Wett-Konsequenz hat. Klubs können ihren Tier-Status verlieren — und Mannschaften, die heute in Tier B sind, können bei kontinuierlich starker Performance und stabilen kommerziellen Kennzahlen in Tier A aufsteigen. Das macht das System dynamisch, aber auch für Tipper unübersichtlich: was heute gilt, kann nach der nächsten Re-Evaluierung anders aussehen.
Was das für Underdog-Quoten heisst
Peter V’landys, Chairman der Australian Rugby League Commission, kommentierte das Modell skeptisch: «All we’ve done is analyse the financial viability and I can see a train crash if they don’t get the broadcast revenue they need to sustain a 14-team competition.» Seine Sorge ist primär finanziell, aber sie hat eine direkte Quoten-Konsequenz. Wenn die Liga finanzielle Schwierigkeiten kriegt, sinkt das Wettvolumen, und mit ihm die Markt-Effizienz.
Für die ersten zwei bis drei Saisons der 14-Team-Liga gilt: Underdog-Quoten für die Aufsteiger werden mathematisch schwer kalibrierbar sein. Bradford hat eine starke historische Marke, eine grosse Fan-Basis, ein modernes Stadion — aber die sportliche Konkurrenzfähigkeit mit etablierten Super-League-Klubs wie Wigan oder St Helens ist eine offene Frage. Toulouse Olympique bringt französische Spieler und eine kontinentale Marke, aber die letzten Super-League-Saisons der Toulouser zeigten klare sportliche Limits. York Knights hat den niedrigsten Bekanntheitsgrad der drei Aufsteiger.
Die praktische Konsequenz für Tipper: in den ersten Wochen der Saison 2026 werden Quoten für Aufsteiger-Spiele weit von der späteren Saison-Realität abweichen. Buchmacher kalibrieren ihre Modelle erst nach acht bis zwölf Spieltagen vollständig auf die neuen Mannschaften. Wer in dieser frühen Phase vorsichtig auf die Form-Linie schaut und nicht auf historische Rankings, kann strukturelle Marktineffizienz ausnutzen. Aber Vorsicht: das gilt nur, wenn Sie das tatsächliche Spielniveau der Aufsteiger besser einschätzen als der Markt — und das ist ohne Detailbeobachtung der Championship-Saison 2025 schwer.
Eine andere Konsequenz betrifft die Relegation-Märkte. Bislang gab es klare sportliche Abstiegskandidaten, deren Quoten Mitte der Saison im Bereich von 1,50 bis 2,50 stabilisierten. Im neuen System mit IMG-Grading kann ein Klub, der sportlich auf Platz 13 oder 14 steht, durch seinen Tier-Status vor dem Abstieg geschützt sein — solange Stadion, Fan-Engagement und Finanzen die Kriterien erfüllen. Das macht klassische Relegation-Wetten praktisch unmöglich, weil Abstieg nicht mehr automatisch der sportlichen Tabellenposition folgt.
Kritik, Zukunft und was sich noch ändern könnte
Das IMG-Grading-System hat auch unter den Klubs Widerstand erfahren. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Gewichtung der nicht-sportlichen Kriterien. Mehrere Championship-Klubs, die sich sportlich für die Super League qualifiziert hätten, sehen sich übergangen — und einige haben angekündigt, juristische Schritte gegen die Bewertung zu prüfen. V’landys Aussage zur Broadcast-Revenue verweist auf einen weiteren Druckpunkt: das System steht und fällt mit den TV-Einnahmen, die die expandierte Liga generieren kann.
Für 2027 und später sind Anpassungen des Systems wahrscheinlich. Diskutiert wird eine Aufwertung der sportlichen Performance auf 35 bis 40 Prozent des Gesamt-Scores, eine Reduktion der Gewichtung kommerzieller Kriterien, oder ein klareres Re-Evaluierungs-Schema für Tier-B-Klubs. Jede dieser Anpassungen würde die Aufstiegs-Wettmärkte verändern — Klubs in der Championship, die auf einen sportlich-orientierten Aufstieg setzen, hätten plötzlich wieder echte Chancen.
Für Schweizer Tipper, die auf Outright-Quoten zur Premiership oder zur Relegation setzen, bedeutet das eine erhöhte Modell-Unsicherheit über die nächsten zwei bis drei Saisons. Wer Outright-Wetten plant, sollte kleinere Einsätze als üblich wählen, weil die strukturelle Volatilität durch die neue Liga-Struktur grösser ist als in einem etablierten Format. Die Expansion auf 14 Teams selbst ist ein eigenes Wett-Thema, das die Liquidität der unteren Tabellenränge nachhaltig verschieben wird.
Ein letzter Gedanke zu diesem System: IMG-Grading ist ein nordamerikanisch geprägtes Modell — Major-League-Sportarten wie die NFL oder NHL kennen kein Auf- und Absteigen, sondern feste Franchise-Strukturen. Die Super League versucht mit dem Grading-System einen Mittelweg zwischen europäischem Auf- und Abstiegssystem und nordamerikanischer Franchise-Stabilität. Ob dieser Mittelweg funktioniert, wird erst über mehrere Saisons messbar sein. Bis dahin bleibt für Wettmärkte eine erhöhte Unsicherheit, die sowohl Chancen als auch Risiken birgt.
Können IMG-Tier-A-Klubs absteigen?
Tier-A-Klubs haben theoretisch eine dauerhafte Super-League-Lizenz, aber das System sieht periodische Re-Evaluierungen vor. Wenn ein Tier-A-Klub seine Kriterien über mehrere Jahre nicht hält — etwa durch finanzielle Probleme oder massiven Fan-Verlust — kann er in Tier B oder C zurückgestuft werden. Direkter Abstieg im sportlichen Sinne ist im aktuellen System aber nicht vorgesehen.
Welche Klubs sind 2026 in welchem IMG-Tier?
Tier A umfasst die etablierten Top-Klubs wie Wigan, St Helens, Leigh, Hull KR und die Catalans Dragons. Tier B umfasst die Aufsteiger Bradford, Toulouse und York sowie mehrere Mittelfeld-Klubs der bisherigen Super League. Die genaue Liste wird jährlich aktualisiert und ist auf der offiziellen Super-League-Webseite einsehbar.
Verfasst vom Team von „Rugby League Wettanbieter Schweiz”.
